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Mittwoch, 03. März 2021 14:01

Unter- und Übergewicht

Die Pandemie fördert schlechte Ernährung

Die Folgen der Pandemie lassen sich auch auf unseren Hüften ablesen. Denn bei Homeoffice, Quarantäne und Co. schaffen es nicht alle, sich gesund zu ernähren. Vor allem bei Kindern könnten die Corona-Pfunde langfristige Folgen haben.

Ein paar Kekse statt einem richtigen Mittagessen? Und den Schluck Coca Cola mehr bekommt ja keiner mit? Diese Überlegungen stellen derzeit gerade viele Menschen an – und handeln entsprechend. Andere schnappen sich dagegen, statt wie sonst am Mittag die Kantine aufzusuchen, lieber einen Apfel oder einen anderen gesunden Snack.

«Bei der Ernährung gibt es gerade Licht und Schatten», zitiert die Deutsche Presse-Agentur DPA Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Während die einen jetzt besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten, nehmen es andere nicht so genau.

Woran liegts?

Verantwortlich für den Unterschied ist der soziale Hintergrund: Während Familien mit hohem Bildungsstand und gutem Einkommen eher Gesundes servieren, kommt in weniger gut gestellten Haushalten häufig weniger Nahrhaftes auf den Tisch, so die Ernährungsexpertin. Ihnen fehle oft das Wissen, wie man sich gesund ernährt.

Besonders problematisch ist das für Kinder, die in diesen Familien aufwachsen. Denn wenn Kita-Gruppen oder Schulklassen wegen eines Ausbruchs der als besonders ansteckenden Coronavirus-Varianten aus Großbritannien, Südafrika oder Brasilien geschlossen werden, fällt für die Kinder auch das Essen in der Einrichtung aus. «Es gibt Kinder, die bekommen in der Schule oder Kita die einzige ausgewogene Mahlzeit am Tag», so Donalies laut DPA.

Mehr Süsses, weniger Sport

Die Folgen lassen sich auf den Hüften der Betroffenen ablesen. Davon berichten Forschende der Ludwig-Maximilian-Universität und der Technischen Universität München im Fachjournal «Annals of Nutrition and Metabolism». Eine Umfrage unter rund 1000 Familien hatte gezeigt, dass rund ein Viertel der Eltern und neun Prozent der Kinder unter 14 Jahren zugelegt hatten. Bei den über Zehnjährigen aus Familien mit niedrigem Schulabschluss waren es sogar 23 Prozent.

Zu was der Nachwuchs während der Pandemie anstelle von Gesundem greift, zeigt eine in ganz Deutschland durchgeführte Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Laut dieser ernähren sich viele Kinder und Jugendliche ungesünder und essen mehr Süssigkeiten als vor der Pandemie. Zehnmal mehr Kinder gaben an, überhaupt keinen Sport mehr zu treiben.

Das Mehr an ungesundem Essen und die reduzierte Bewegung ist auch auf lange Sicht problematisch: «Studien zeigen: Etwa 80 Prozent der adipösen Jugendlichen bleiben im späteren Erwachsenenalter adipös», zitiert die DPA Ernährungsexpertin Donalies. Daraus könnten sich Diabetes, Bluthochdruck oder Herzkreislauferkrankungen entwickeln.

Magersucht auf dem Vormarsch

Doch Isolation und Social Distancing können auch für eine gegenteilige Entwicklung auf den Hüften führen: zu deutlichem Untergewicht. Das berichten Mediziner der psychosomatischen Kinderstation im Klinikum Nürnberg. Bei ihnen gebe es seit dem Ende des ersten Lockdowns in Deutschland «etwa doppelt so viele» Kinder und Jugendliche mit Essstörungen, so Chefarzt Patrick Nonell. Besonders häufig hätten sie mit Magersucht zu tun.

Als Grund führt Nonell das Fehlen der sozialen Kontakte und das vermehrte Aufeinanderhocken in den Familien an. Das sorge für mehr Stress. Das, gepaart mit der durch die Ausnahmesituation Pandemie hervorgerufene Verunsicherung und den Kontrollverlust, könnten zu dem Bedürfnis führen, zumindest das eigene Gewicht steuern zu können.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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