LUXEMBURG – Im Großherzogtum werden die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus schrittweise gelockert. Die erste Phase beginnt am kommenden Montag.
Luxemburg wagt ab dem kommenden Montag seine ersten Schritte zurück in die Normalität. Das erklärte Premierminister Xavier Bettel (DP) auf der Pressekonferenz, die er und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP), im Anschluss an die erneute Sitzung des Regierungsrates am Mittwoch hielten. Die gegen das Coronavirus ergriffenen Maßnahmen, könnten nur «nach und nach» – in Phasen – gelockert werden, betonte der Staatschef erneut und lobte den breiten Zusammenhalt im Land: «Wir haben es geschafft, das Virus unter Kontrolle zu halten. Dass unser Gesundheitssystem nicht an seine Grenzen gestoßen ist, ist der Verdienst von jedem einzelnen.» Die aktuelle Situation, in der sich Luxemburg befindet, sei «außergewöhnlich und seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr da gewesen».
Die kommenden Phasen der Lockerungen müssten immer mit Blick auf die Lage in den Krankenhäusern und besonders auf den Intensivstationen erfolgen. In der ersten Phase, die drei Wochen lang dauern wird, werden am 20. April die Baustellen, Baumärkte und Recyclingcenter wieder geöffnet. Die Hygieneregeln, wie die Einhaltung des Sicherheitsabstandes und das Tragen eines Mundschutzes, seien weiterhin zu befolgen. Ab Montag gilt überall die Mundschutz-Pflicht, wo der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann: etwa beim Einkaufen, in Bus und Bahn oder in Banken. Wer sich nicht daran hält, könne eine Geldstrafe zwischen 25 und 35 Euro bekommen. Das Land verfüge nun über etwa sieben Millionen Atemmasken. Damit würde die Bevölkerung in den kommenden Tagen versorgt.
In der zweiten Phase, ab dem 11. Mai, öffnen die Schulen für die höheren Klassen wieder. Zum 25. Mai folgen die Grundschulen und Kinderkrippen. Bettel unterstrich, dass der soziale Kontakt weiterhin vermieden werden muss: «Nur so können wir die Krankheit in den Griff bekommen. Wir sind jetzt noch nicht durch.» Die Bürger sollen weiterhin zu Hause bleiben. Deshalb werde es bis zum 31. Juli auch keine Großveranstaltungen in Luxemburg geben.
Dem Einsatz einer App , die die Menschen nach dem Kontakt mit einem Corona-Positiven informiert, scheint die Regierung nun offener gegenüber zu stehen. «Wir könnten uns anschließen, wenn es dafür eine europäische Lösung gibt, die keine datenschutzrechtlichen Fragen aufwirft», sagte Bettel.
Gesundheitsministerin Lenert hatte zunächst gute Nachrichten. «Die Zahlen gehen zurück, es gibt weniger neue Infektionen, es liegen weniger als 200 Menschen im Krankenhaus.» Außerdem hätten mittlerweile fast 500 Covid-19-Patienten die Krankheit überstanden. Aber auch die LSAP-Politikerin trat rasch auf die Euphoriebremse: «Die Situation ist noch immer ernst, das Virus ist da und es gibt noch immer keinen Impfstoff. Wir müssen noch lange gegen Corona kämpfen.»
Eine zweite Infektionswelle sei unter allen Umständen zu vermeiden, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Das Coronavirus sei zwar ein Grippevirus, seine Letalitätsrate aber «beängstigend». Covid-19 sei «eine schwere Krankheit, die die Patienten und das Pflegepersonal vor große Herausforderungen stellt.» Disziplin sei weiterhin der Schlüssel, um vor allem die Risikogruppen zu schützen.
Laut der Gesundheitsministerin sei das Großherzogtum weltweit führend im Testen. «Wir testen dreimal mehr als Deutschland, viermal mehr als Frankreich und achtmal mehr als Belgien», so Lenert. Besonders im Gesundheitssystem und – mit der Wiederaufnahme der Arbeit – in der Baubranche, werde systematisch getestet.
Um ein kompletteres Bild der Infektionen in der Bevölkerung zu bekommen sei nicht nur die Zahl der positiv getesteten wichtig, sondern auch Zahl der Menschen, die die Krankheit bereits mit milden oder keinen Symptomen überstanden haben. Die Immunität kann durch einen Antikörpertest festgestellt werden. Diese laufen laut Lenert nun an. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Zahlen und die Arbeit in den Krankenhäusern sagte die Gesundheitsministerin abschließend: «Ich denke, wir packen das.»
(L'essentiel)
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