LUXEMBURG – Indirekte Wirkung des Coronavirus: Einige Patienten ließen sich wegen anderer Krankheiten nicht behandeln. Auch, weil die Kliniken nicht über die Kapazität verfügten.
Eine der Auswirkungen der gegenwärtigen Gesundheitskrise ist, dass viele Patienten mit anderen Krankheiten, also Nicht-Covid-19-Patienten, nicht wie üblich versorgt und untersucht werden. Besonders betrifft das Patienten mit chronischen Erkrankungen.
«Wir mussten einen Teil der Aktivitäten zu Beginn der Pandemie aufschieben, um die Kapazitäten zu schaffen. Dies betrifft insbesondere die Präventivmedizin», würdigt Dr. Cyril Thix, Spezialist für Notfallmedizin an den Robert-Schuman-Krankenhäusern.
Mit der Verschiebung von Terminen, aber auch mit weniger Früherkennungsuntersuchungen hatte das Krankenhaus «nicht die Mittel, die normalerweise zur Verfügung stehen». Nicht zu vergessen die Patienten, die nicht zur Sprechstunde kamen, um die Krankenhäuser nicht zu verstopfen, aber auch aus Angst vor Covid-19 .
Weniger Zeit für andere Krankheiten
Die ersten Folgen seien seit einigen Tagen zu beobachten, auch wenn sie sich noch in Grenzen halten würden. «Wir haben Patienten mit fortgeschrittenen Krankheitsverläufen gesehen. Entwicklungen, die hätten vermieden werden können», sagt Thix. «Krebs, chronische Erkrankungen, aber auch Blinddarmentzündungen, die sich in eine Bauchfellentzündung verwandeln können», die Bandbreite ist groß. «Tatsache ist, dass wir weniger Endoskopien und Darmspiegelungen, aber auch weniger Untersuchungen zur Nachsorge durchgeführt haben», erklärt der Fachmann.
«Wir haben einen sehr besorgniserregenden Rückgang der Aktivität in den Arztpraxen festgestellt, den die Telekonsultation nicht kompensieren kann», erklärt Dr. Guillaume Steichen, Generalsekretär der Ärzte- und Zahnärztekammer (AMMD), gegenüber L'essentiel.
Krisenmodus kann kein Dauerzustand sein
Eine Situation, die nicht auf Dauer Bestand haben kann. Da sind sich alle Akteure des Gesundheitssektors einig. «Man sollte sich nicht davor scheuen, ins Krankenhaus zu gehen», sagte Gesundheitsministerin Paulette Lenert am Donnerstag. Die Botschaft ist klar: Das luxemburgische Gesundheitswesen muss seine «normale Tätigkeit wieder aufnehmen, während es mit dem Coronavirus lebt», erklärt Cyril Thix.
Dies setze «eine Erhöhung der Personalkapazität» voraus. Für den Rest verfügen die Krankenhäuser über alle notwendigen Geräte und «Notfälle sind sicher versorgt». Die Bedingungen wären gut, «auch wenn die Eindämmung die Medizin weiterhin beeinflusst», erklärt Cyril Thix ein.
«Das Virus ist jetzt Teil unseres täglichen Lebens. Die Hygienemaßnahmen bleiben bestehen, und die Telekonsultation ist das Mittel der Wahl, in der Kommunikation mit einem Arzt», sagte Paulette Lenert am Donnerstag.
(th/L'essentiel)
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