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Die Senioren in den Luxemburger Altersheimen können derzeit nicht von ihren Familien besucht werden. (Bild: Editpress/Isabella Finzi)

Donnerstag, 23. April 2020 08:00

Corona-Pandemie

Luxemburgs Senioren nun sechs Wochen in Isolation

LUXEMBURG – Die Bewohner von Alters- und Pflegeheimen können seit Wochen keinen Besuch empfangen. Das Familienministerium arbeitet an einer Lösung des Problems.

Nach fast sechs Wochen ohne Besuch von Freunden und Verwandten wird die Zeit für die Bewohner der Altersheime psychologisch immer schwieriger. Seit dem 12. März sind die Wohn- und Pflegeheime des Landes für alle Besucher geschlossen, um die besonders von der Lungenkrankheit Covid-19 bedrohten Personen zu schützen.

«Dieser Zustand sollte nicht monatelang andauern», räumt Nathalie Hanck ein, Pressesprecherin des Unternehmens Servior, das in Luxemburg 15 Altersheime betreibt. Gleichzeitig betont sie aber auch, dass die Senioren gelernt hätten, ein Stück weit mit der Pandemie zu leben: «Viele haben die Videotelefonie entdeckt und sind von der Technik begeistert. Viele haben auch neue Hobbys gefunden.»

« Eine Priorität für die Regierung »

Ein Ersatz für die Begegnung mit ihren Liebsten ist das aber nicht. Der Luxemburger Verbraucherschutz forderte in diesem Zusammenhang auch eine Lockerung der Maßnahmen für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheimen: Den engsten Verwandten solle der Besuch unter strengen Sicherheitsauflagen gestattet werden.

Die Regierung ist sich bewusst, dass an dieser Stelle der Schuh drückt. Deshalb arbeite sie verschiedenen Modellen, die es alten Menschen und ihren Familien erlaubt, sich wieder zu sehen. Im Familienministerium wird die Lösung dieses Problems als Priorität angesehen, wie ein Sprecher auf Anfrage von L'essentiel erklärt.

«Es gibt verschiedene Szenarien, an denen die Regierung arbeitet. Dies muss schrittweise und unter strikter Einhaltung der Hygienevorschriften erfolgen. Man muss immer bedenken, dass eine Corona-Infektion für viele Senioren lebensgefährlich ist», so das Ministerium.

« Härter für die Familien als für die Senioren »

In einem Punkt sind sich alle Akteure einig: Besuche, wie vor der Krise, werden noch eine lange Zeit nicht möglich sein. «Spontane Besuche wird es wohl nicht geben. Man braucht einen Termin, damit alle Sicherheits- und Hygienemaßnahmen eingehalten werden können», sagt Nathalie Hanck.

Servior, der größte Betreiber von Seniorenwohnheimen im Großherzogtum, will rasch auf Änderungen der Corona-Auflagen reagieren können. «Die Maßnahmen dürfen aber auf keinen Fall zu lasch umgesetzt oder halbherzig befolgt werden», so Hanck weiter.

Werden im Mai Besuche wieder möglich sein? «Das ist unwahrscheinlich. Die Familien unserer Bewohner fragen uns das immer wieder. Für sie scheint es oftmals schwieriger zu sein, als für unsere Bewohner», sagt die Servior-Sprecherin. Bewohnern, die im Sterben liegen, sei der Besuch allerdings noch nie verwehrt worden. «Davon habe ich jedenfalls seit Beginn der Krise noch nicht gehört». sagt Hanck.


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