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Claude Turmes glaubt, dass Frankreich sich von der Atomlobby befreien muss. (Bild: Editpress)

Mittwoch, 03. März 2021 07:01

Hilfe aus Deutschland

So will Claude Turmes Cattenom abschalten

LUXEMBURG – Energieminister Claude Turmes hofft, dass in Deutschland die Grünen an die Macht kommen. So werde Druck auf die französische Regierung ausgeübt.

Welche Zukunft hat das Kernkraftwerk Cattenom? Während Frankreich entschlossen ist, den Betrieb der 1986 eröffneten Anlage zu verlängern, arbeitet Luxemburg hinter den Kulissen weiter an ihrer lange geforderten Schließung. In einem Interview mit L'essentiel erklärte Energieminister Claude Turmes, er arbeite daran, Koalitionen auf europäischer Ebene zu bilden. Einen besonderen Stellenwert besitzen dabei die nächsten Bundestagswahlen in Deutschland im September.

Sollten die Grünen in die Regierung kommen, was aktuellen Umfragen zufolge durchaus realistisch ist, könnte sich das Kräfteverhältnis entscheidend ändern: «Ich möchte erreichen, dass Deutschland Frankreich dazu drängt, das Kraftwerk zu schließen, wie es bereits bei Fessenheim der Fall war», verrät der Déi-Gréng-Minister.

Im Kern geht es um Fragen der Versicherung im Falle eines Atomunfalls, von der sich Deutschland distanzieren könnte. Angesichts des hohen finanziellen Risikos, könnte sich Frankreich veranlasst sehen, seine Position zu überdenken, glaubt der ehemalige Europaabgeordnete.

« Ein Damoklesschwert über unseren Köpfen »

Bislang beißt Turmes in Frankreich auf Granit, wie der jüngste Austausch zwischen dem luxemburgischen Minister und seiner französischen Amtskollegin Barbara Pompili beweist. «Sie ist nicht die einzige Befürworterin des Kraftwerks. Der Großteil der Regierung ist Pro-Atom», sagt Claude Turmes, der glaubt, dass das Problem mit Cattenom die Freundschaft mit Frankreich auf eine harte Probe stellt: «Wir kämpfen gemeinsam gegen das Coronavirus und an vielen anderen Fronten. Und trotzdem hängt noch immer dieses Damoklesschwert über unseren Köpfen.»

Tschernobyl und Fukushima hätten gezeigt, dass die einzigen sicheren Kernkraftwerke jene sind, die abgeschaltet wurden, sagt Turmes. Frankreich habe die Mittel, um erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Biomasse zu entwickeln, «aber die Atomkraftwerke haben weiter Vorrang vor der Sicherheit der Bürger» , erklärt der Minister, der «jeden Tag» daran arbeite, das nur einen Steinwurf von der luxemburgischen Grenze entfernte Atomkraftwerk abzuschalten.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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