Zwei wollen, nur einer kann, noch gibt keiner nach: Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) duellieren sich weiter um die Nachfolge der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dies, obwohl die beiden eigentlich bis Ostern hatten entscheiden wollen, wer von ihnen Kanzlerkandidat der Union wird. Mittlerweile heißt es, die K-Frage werde Ende Woche, spätestens am Sonntag, geklärt sein – vielleicht ja sogar schon morgen, Donnerstag.
Laschet und Söder hatten sich am Dienstag der Bundestagsfraktion gestellt und deckten sich gegenseitig mit Spitzen ein – als versierte Karnevalsredner verstehen sich beide auf das lustvolle Sticheln: «Wir brauchen keine One-Man-Show», so Laschet Richtung Söder. «Wir brauchen die maximal beste, nicht die angenehmste Aufstellung», so Söders Replik.
«Stimmung völlig unterschätzt»
Während Söder auf Laschets schwache Umfragewerte anspielte, erinnerte Laschet an Söders politische Kehrtwenden. Laschet verwies auf Risiken, die nach seiner Ansicht eine Kanzlerkandidatur Söders mit sich brächte. Die Medien würden dann alle früheren Aussagen von Söder «ausgraben und ihm vorwerfen». Söder hielt dagegen: Er sei die stärkere Persönlichkeit, ziehe besser in den Medien, sei populärer.
Fast vier Stunden debattierten auch die Abgeordneten, rund 60 von ihnen meldeten sich zu Wort. Dabei sprachen sich auch mehrere CDU-Parlamentarier offen für Söder aus, wie Teilnehmer berichten – eine herbe Niederlage für Laschet, der den Unmut der Basis zu spüren kriegte und dessen Lager «die Stimmung in der Fraktion völlig unterschätzt haben dürfte», wie Spiegel.de schreibt.
Was spricht für Laschet, was für Söder?
Söder dürfte ebenfalls mehr von der Sitzung mit der Bundesfraktion erwartet haben – erst recht, nachdem die mächtigen CDU-Spitzengremien sich am Vortag hinter Laschet als Kandidaten gestellt hatten. «Um ihre Position bei der Entscheidung der K-Frage zu stärken, setzt jetzt Söder auf die Fraktion, wo er Unterstützung auch bei Abgeordneten der CDU hat, und Laschet setzt auf die Gremien, die sich bereits für ihn als Kandidaten entschieden haben», sagt Politologe Klaus Armingeon zu 20 Minuten.
Was spricht für CDU-Chef Armin Laschet, was für CSU-Chef Markus Söder – und was gegen sie?
Armin Laschet

• «Ein unverbesserlicher Optimist.» (Spiegel.de)
• «Sinn für Humor. Nicht zu stolz, Rat einzuholen und starke Leute um sich zu scharen.» (Bild.de)
• «Der oft Unterschätzte zeigt Stehvermögen.» (NNZ.ch)
• «Ein Umarmer: Einer, der Streit schlichtet, Gegner einbindet, der versöhnt.» (Süddeutsche)
• «Ein Kompromisskünstler, aber kein Macher.» (Tagesspiegel)
Pro
Man sieht es ihm nicht unbedingt an. Aber als Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und CDU-Vorsitzender ist Laschet einer der wichtigsten Politiker Deutschlands.
Für ihn spricht in der K-Frage, dass er schlicht der Chef der größeren Partei ist. Traditionell gilt in den Unionsparteien das ungeschriebene Gesetz, dass die CDU das Recht des ersten Zugriffs auf die Kanzlerkandidatur hat – und die mächtigen CDU-Gremien haben Laschet den Rücken gestärkt. Dagegen kommt die kleine Schwesterpartei CSU kaum an.
Contra
Gegen Laschet sprechen eine ganze Reihe von Argumenten: Zu unpopulär, zu zaudernd, zu wenig durchsetzungsstark sei er, monieren Kritiker. Und: Laschets Umfragewerte sind miserabel. CDU-Chef Armin Laschet schneidet in Umfragen immer schlechter ab. Jetzt eben zeigte eine repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa: Nur vier Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Laschet «führungsstark» und «dynamisch» sei. Den CSU-Vorsitzenden Markus Söder halten hingegen 57 Prozent für «führungsstark» und 36 Prozent für «dynamisch». Für vertrauenswürdig halten Laschet zwölf Prozent, Söder 27 Prozent.
Sein als schlingernd empfundener Kurs in der Corona-Politik hat ihn Autorität einbüssen lassen. Jetzt hofft das Laschet-Lager in der Union darauf, dass sich mit dem Voranschreiten der Impfkampagne bis Sommer die Stimmung wieder zugunsten des Rheinländers dreht.
Markus Söder

• «Fleiß, Ehrgeiz und Hartnäckigkeit.» (Welt.de)
• Ihm gelingt es sehr überzeugend, der Öffentlichkeit Handlungsstärke zu vermitteln.» (Focus.de)
• «Söder weiß innerhalb der Union womöglich noch am besten, wie «Volkspartei“ geht.» (Haz.de)
• «Kein Teamplayer. Gemeinsam errungene Erfolge verbucht er gern auf eigene Rechnung.» (Spiegel.de)
• «Seine größte Schwäche ist: Er kann einfach nicht genug von sich selbst kriegen.» (Süddeutsche Zeitung)
Pro
Ein Blick auf aktuelle Umfragen beantwortet, was für Söder als Kanzlerkandidaten spricht. Viele Bürger halten ihn für kanzlertauglich, als einer der wenigen Spitzenpolitiker hat er in der Corona-Krise nicht an Popularität eingebüsst. Söder inszeniert geradezu lustvoll Machtbewusstsein, Gestaltungsdrang und Amtsautorität – und trifft damit offenbar einen Nerv. Der CSU-Chef lässt kaum eine Gelegenheit ungenutzt, auf seine Popularität hinzuweisen.
Für ihn spricht zudem, dass er in der CDU mehr Anhänger hat als Laschet in der CSU. Mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete sprachen sich bereits für Söder aus – in CDU-Kreisen wird darauf verwiesen, dass er vor allem auf Unterstützung jener CDU-Parlamentarier zählen kann, die angesichts der schwachen Umfragewerte um ihren Wiedereinzug in den Bundestag bangen müssen. Söder fordert deswegen eine wichtige Rolle für die Bundestagsfraktion in der K-Frage.
Contra
Gegen Söder spricht, dass er als Chef der deutlich kleineren Partei keine Möglichkeit hat, sich der Union als Kanzlerkandidat aufzuzwingen. Söder selbst hatte seine Bereitschaft zur Kandidatur davon abhängig gemacht, dass die CDU ihn dabei breit unterstütze. Die CDU-Gremien versagten ihm diese Rückendeckung aber. Söder spielt nun auf Zeit – und hofft auf wachsende Unterstützung in der Bundestagsfraktion und an der Basis. Kommt hinzu: Bayerische Politiker sind vor allem in Norddeutschland traditionell schwer vermittelbar. Anders formuliert: «Am Ende nehmen die Deutschen einem CDU-Mann aus Nordrhein-Westfalen gesamtdeutsche Ansprüche vermutlich eher ab als dem Vertreter einer bayerischen Regionalpartei.»
Armin Laschet wird neuer CDU-Chef
(L'essentiel/gux)
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