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Montag, 25. Oktober 2021 10:58

Schutz vor Wilderern

Immer mehr Elefanten haben keine Stoßzähne

Wissenschaftler beobachten, dass weibliche Elefanten in Afrika immer häufiger ohne die markanten Stoßzähne geboren werden. Die Ursache dürfte die Jagd auf die Zähne sein.

In Afrika jagen Wildererinnen und Wilderer seit Jahrzehnten gnadenlos Elefanten und Nashörner für ihre Stoßzähne. Die Zähne werden in vielen Ländern als traditionelle Heilmittel eingesetzt und können auf dem Schwarzmarkt viel Geld einbringen. In den letzten Jahren war der afrikanische Elefant durch die unerbittliche Jagd immer stärker vom Aussterben bedroht.

Expertinnen und Experten schätzen, dass die letzten Elefanten bereits in den nächsten zehn Jahren komplett vom afrikanischen Kontinent verschwinden könnten. In Mosambik zum Beispiel wurden vor rund 40 Jahren etwa 90 Prozent der Elefanten getötet, um mit dem Erlös aus den Verkäufen den Bürgerkrieg zu finanzieren.

Doch nun gibt es neue Hoffnung für die afrikanischen Elefanten. Wie der «Telegraph» berichtet, werden immer mehr weibliche Elefanten ohne Stoßzähne geboren. Dieses Fehlen der Stoßzähne wird durch eine genetische Mutation hervorgerufen, die ursprünglich nur in wenigen Elefanten auftrat. Die andauernde existenzbedrohende Jagd scheint nun aber die Verbreitung der Genmutation anzufeuern. Während vor dem Bürgerkrieg in Mosambik zwischen 1977 und 1992 etwa ein Fünftel der Elefanten ohne Stoßzähne geboren wurde, besaß nach dem Krieg etwa die Hälfte der Elefanten keine Stoßzähne.

Zwei Drittel sind Weibchen

Wie bei der Augenfarbe einer Person sind auch bei den Elefanten die Gene der Eltern dafür verantwortlich, ob ein Elefant Stoßzähne bekommt oder nicht. Elefanten ohne Stoßzähne waren früher ein rarer Anblick in der Savanne, wurden aber in den letzten Jahren immer zahlreicher. Dass etwa die Hälfte der Nachkommen der Elefanten, die den Wildererinnen und Wilderern während des Bürgerkriegs entkommen konnten, nicht mit den markanten Zähnen ausgestattet ist, ist aber nicht die einzige Überraschung.

Denn das Gen, das Elefanten für die Wildererinnen und Wilderer durch ihre fehlenden Stoßzähne unattraktiv macht, könnte für die Elefanten auch zu einem großen Problem werden. Über zwei Drittel der Nachkommen der stoßzahnlosen Elefanten sind nämlich Weibchen, und auch das Phänomen der fehlenden Stoßzähne wurde bis jetzt nur bei weiblichen Elefanten beobachtet. Die Genmutation hängt nämlich mit dem X-Chromosom zusammen. Eine Mutation dieses X-Chromosoms kann für männliche Elefanten zum Tod im Mutterleib führen.

Die Forscherinnen und Forscher der Universität Princeton in New Jersey beschreiben die Entdeckung der Mutation als «Lichtblick» in einer Flut schlechter Nachrichten zur Biodiversität. Weltweit waren noch nie so viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht wie heute. Als besonders gefährdet gilt zum Beispiel das nördliche Breitmaulnashorn: Nach der letzten Sichtung im Jahre 2009 ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Spezies endgültig von der Erdoberfläche verschwunden ist.


(L'essentiel/Benedikt Hollenstein)

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