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Mittwoch, 03. März 2021 11:47

Getränke-Start-up

Mit dieser Flasche trickst du dein Gehirn aus

Ein Start-up will den Getränkemarkt mit einer Wasserflasche und Duft-Pods aufmischen. Es könnte der Anfang einer Entwicklung zum synthetischen Konsum sein.

Zucker verursacht Karies und begünstigt Übergewicht. Erwachsene sollten deshalb maximal 50 Gramm zugesetzten Zucker pro Tag essen, Kinder gar nur 30 Gramm. Cola-Trinker haben diese Grenze schnell erreicht. Ein 2-Deziliter-Süssgetränk enthält etwa 20 Gramm Zucker.

Abhilfe will ein Münchner Start-Up schaffen. Die Firma Air Up hat eine Trinkflasche mit austauschbaren Duft-Pods entwickelt, mit denen sich Leitungswasser mit Cola-Duft und 12 weiteren Sorten aromatisieren lässt – ohne Zusatz von Zucker oder Kalorien. Der Duft suggeriert dem Gehirn, das man Cola trinkt, obwohl in Wahrheit reines Leitungswasser eingefüllt ist (siehe Box).

«Wir haben bis zu 50 Mal weniger Plastik als bei PET-Flaschen»

Air Up soll mit seinen Pods mit natürlichen Aromen nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Umwelt schonen. «Wir sind nachhaltiger als PET-Flaschen», sagt Co-Gründerin Lena Jüngst zum Newsportal 20 Minuten. Zwar bestehen auch die Duft-Pods aus Plastik und sind in Plastik verpackt. Allerdings reiche ein Pod für fünf Liter Wasser. «Das ist 25 bis 50 Mal plastiksparender als bei PET-Flaschen», so Jüngst. Zudem seien die Pods viel leichter als volle Getränkeflaschen. Deshalb sei der Transport bis zu 1000 Mal CO₂-effizienter als die Konkurrenz aus dem Supermarkt.

Das kommt bei den Kunden offenbar gut an. Air Up ist seit einem Jahr in Deutschland erhältlich und erzielte seither rund 20 Millionen Euro Umsatz. Auch die beiden Investoren Frank Thelen und Ralf Dümmel, bekannt aus der TV-Show «Die Höhle der Löwen», ließen sich überzeugen und stiegen bei Air Up ein.

Es gibt aber auch Kritik. So schreiben Nutzer in Amazon-Bewertungen, dass der Geschmack der Düfte zu wenig intensiv sei. Jüngst erklärt: «Wir können den Geschmack von Cola ohne Zuckerzusatz nicht ersetzen. Aber Air Up ist eine gesunde Alternative und schmeckt spannender als pures Wasser.» Sie vergleicht es mit Wasser mit Geschmack, das auch die Mineralhändler anbieten.

Beginn des synthetischen Konsums

Marketing-Dozentin Adrienne Suvada von der ZHAW sieht Potenzial für das Produkt. Auch die mit Aromen versetzten Wasser hätten ihre Fans. Für diese Zielgruppe könnte das Produkt funktionieren, so Suvada.

Allerdings glaubt sie nicht daran, dass Air Up andere Getränke komplett verdrängen kann. «Es wird immer noch Kunden geben, die lieber eine richtige Coca Cola trinken oder ganz einfach ein normales Wasser bevorzugen. Alleine unser gutes Leitungswasser ist hervorragend und kostenlos», so Suvada.

Einen Schritt weiter geht die Trendforscherin Christine Schäfer vom Gottlieb-Duttweiler-Institut. Sie glaubt, dass Air Up erst der Anfang einer Entwicklung hin zum synthetischen Konsum ist, bei dem direkt im Hirn ein Erlebnis ausgelöst wird ohne ein reales Produkt. «In Zukunft werden wir die Sinne entkoppeln können und ganz neue Geschmackserlebnisse konfigurieren», sagt Schäfer.

(L'essentiel/Fabian Pöschl)

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