Im Skandal um mögliche Bilanzfälschungen und Marktmanipulationen beim Münchner Zahlungsdienstleister Wirecard hat es am Mittwoch Razzien in Deutschland und Österreich gegeben.
Im Wirecard-Skandal haben Dutzende Ermittler in einer groß angelegten Durchsuchung fünf Gebäude in Deutschland und Österreich durchsucht. Darunter waren die Firmenzentrale im Münchner Vorort Aschheim und zwei Objekte in Österreich, wie die Münchner Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.
Dabei ging es in erster Linie um die Vorwürfe, die unter anderem gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun erhoben werden - falsche Angaben in den Wirecard-Büchern und Marktmanipulation. «Zwölf Staatsanwälte vor Ort werden dabei von 33 Polizeibeamten und weiteren IT-Fachleuten des Polizeipräsidiums München und ihren österreichischen Kollegen unterstützt», wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Ex-Vorstandschef Markus Braun ist Österreicher, ebenso das möglicherweise abgetauchte ehemalige Vorstandsmitglied Jan Marsalek.
Die Wirecard-Zentrale ist damit innerhalb eines Monats zum zweiten Mal durchsucht worden. Weitergehende Informationen wollten die Ermittler nicht veröffentlichen. Laut Süddeutscher Zeitung war ein Privathaus unter den durchsuchten Gebäuden.
Unternehmen droht Zerschlagung
Zumindest für Teile des in einen Bilanzskandal verwickelten Zahlungsabwicklers Wirecard gibt es Interessenten. Es hätten sich zahlreiche Investoren aus aller Welt gemeldet, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé in der Nacht zum Mittwoch in Aschheim bei München mit. Der vorläufige Gläubigerausschuss habe daraufhin grünes Licht für einen internationalen Investorenprozess unter Einschaltung von Investmentbanken gegeben.
Nach dem Kurseinbruch um rund 99 Prozent auf rund 1 Euro binnen weniger Tage hatten sich Wirecard-Papiere zuletzt ein klein wenig auf 5,73 Euro erholt. Die Aktien scheinen zu einem kurzfristigen Spekulationsobjekt geworden zu sein, offenbar getrieben von der vagen Hoffnung einiger Anleger auf einen Verkauf des Unternehmens. So war bereits bekannt geworden, dass sich die US-Tochter Wirecard North America selbst zum Verkauf gestellt hat.
(l'essentiel/dpa)
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